Stromkennzeichnung

(Dieser Artikel erschien erstmalig 2012 und wird hier nur als Referenz aufgeführt. Seitdem hat sich einiges verändert…)

Seit einiger Zeit ist in Deutschland die sogenannte Stromkennzeichnung für Energieversorger verpflichtend. Genaueres dazu ist im Energiewirtschaftsgesetz von 2005 geregelt, besonders in § 42, auf den auch alle Versorger die ich mir angeschaut habe, verweisen. Da Deutschland mehr oder weniger von vier großen Energieversorgern versorgt wird, habe ich mir deren Stromkennzeichnungen angeschaut:

  1. EnBW
  2. E.On
  3. RWE und
  4. Vattenfall

Die Zahlen, die ich unten gegenüberstelle, stammen auch alle von den oben verlinkten Seiten, abgerufen am 03.03.2012.

Interessant zu sehen ist, dass alle vier noch die Zusammensetzung des Strommixes von 2010 angeben. Das ist rechtlich nach EnWG völlig in Ordnung, ich frage mich nur, wieso sie das tun. Es sollte doch ein leichtes sein, die jeweils aktuelle Zusammensetzung herauszufinden und zeitnah zu veröffentlichen. Zweifelsohne interessiert einen potentiellen Kunden nicht die Stromzusammensetzung von 2010, sondern die aktuelle Stromzusammensetzung. Haben die vier großen Angst vor Vergleichbarkeit?

Apropos Vergleichbarkeit: Hier eine aus den oben verlinkten Seiten gewonnene Zusammenstellung (die sich, wie schon erwähnt, auf 2010 bezieht):

EnBWE.OnRWEVattenfall
Kernkraft42,0%22,7%20,3%5,2%
Kohle32,0%36,9%55,0%69,0%
Erdgas3,0%10,6%3,7%
Sonstige fossile Energien3,0%3,8%
Sonstige erneuerbare Energien4,0%7,1%1,8%25,8%
EEG-geförderte erneuerbare Energien16,0%18,9%19,2%

Die Grafik zeigt die vier großen Versorger, alphabetisch von innen nach außen. Da Vattenfall die Stromzusammensetzung leider nicht so detailliert gliedert wie die anderen, sind in der Grafik alle fossilen Energieträger als Kohle dargestellt, alle erneuerbaren Energien als „sonstige Erneuerbare Energien“. Wie man sieht, kommen alle Versorger inzwischen (also, 2010, versteht sich) auf einen Anteil von mindestens 20% am Strommix. Schön wäre natürlich, wenn dieser Anteil noch deutlich steigen und der Anteil an fossilen Energieträgern und Kernenergie gegen Null gehen würde. Dafür wäre es aber meines Erachtens nötig, das komplette Konzept der Energieversorgung von zentraler Erzeugung und Verteilung auf dezentrale Erzeugung und Einspeisung des Überschusses umzustellen.

Natürlich kann man sich auch heute schon von Ökostrom-Anbietern zu 100% aus erneuerbaren Energien versorgen lassen. Das sehe ich als sehr positiv – aber damit allein ist es noch nicht getan. Man hört in den Medien immer wieder, wie massiv die Stromnetze ausgebaut werden müssten um mit der Entwicklung der erneuerbaren Energien Schritt zu halten. Die alternative wäre vielleicht die oben erwähnte, dezentrale Erzeugung. Dezentral ist aber dem Ansatz nach schon so zu verstehen, dass sich viele beteiligen und nicht nur vier. Privathaushalte betreiben Photovoltaik-Anlagen, Blockheizkraftwerke, Kleinst-Windkraftanlagen und speisen den Überschuss ins Netz ein.

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