SaschaSchmidt.de Politisch-Theologischer Blog über Gott und die Welt

22Jun/14Off

Die Energiewende darf nicht scheitern!

Der Bundestag wird in der kommenden Woche über die Neufassung des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) beschließen. Herauszugreifen aus diesem Entwurf ist der Vorschlag, die EEG-Umlage in Zukunft für alle Anlagen und auch für den Eigenverbrauch anzusetzen. Das Ziel, mit diesen Reformen Energie bezahlbar zu machen, dürfte grandios scheitern. Vielmehr wird an einer Umverteilung von unten nach oben festgehalten. Der Bürger zahlt, Konzerne werden von der Umlage befreit. Das scheint ein allgemeines Problem unserer sogenannten Volksvertreter zu sein, dass sie sich mehr dafür interessieren, was RWE, EnBW, EON oder Vattenfall sagen als dafür, was der Wähler tatsächlich will.

3Mrz/12Off

Stromkennzeichnung

Übersicht Stromkennzeichnung

Seit einiger Zeit ist in Deutschland die sogenannte Stromkennzeichnung für Energieversorger verpflichtend. Genaueres dazu ist im Energiewirtschaftsgesetz von 2005 geregelt, besonders in § 42, auf den auch alle Versorger die ich mir angeschaut habe, verweisen. Da Deutschland mehr oder weniger von vier großen Energieversorgern versorgt wird, habe ich mir deren Stromkennzeichnungen angeschaut:

 

  1. EnBW
  2. E.On
  3. RWE und
  4. Vattenfall

Die Zahlen, die ich unten gegenüberstelle, stammen auch alle von den oben verlinkten Seiten, abgerufen am 03.03.2012.

Interessant zu sehen ist, dass alle vier noch die Zusammensetzung des Strommixes von 2010 angeben. Das ist rechtlich nach EnWG völlig in Ordnung, ich frage mich nur, wieso sie das tun. Es sollte doch ein leichtes sein, die jeweils aktuelle Zusammensetzung herauszufinden und zeitnah zu veröffentlichen. Zweifelsohne interessiert einen potentiellen Kunden nicht die Stromzusammensetzung von 2010, sondern die aktuelle Stromzusammensetzung. Haben die vier großen Angst vor Vergleichbarkeit?

Apropos Vergleichbarkeit: Hier eine aus den oben verlinkten Seiten gewonnene Zusammenstellung (die sich, wie schon erwähnt, auf 2010 bezieht):

EnBW E.On RWE Vattenfall
Kernkraft 42,0% 22,7% 20,3% 5,2%
Kohle 32,0% 36,9% 55,0% 69,0%
Erdgas 3,0% 10,6% 3,7%
Sonstige fossile Energien 3,0% 3,8%
Sonstige erneuerbare Energien 4,0% 7,1% 1,8% 25,8%
EEG-geförderte erneuerbare Energien 16,0% 18,9% 19,2%

Die Grafik zeigt die vier großen Versorger, alphabetisch von innen nach außen. Da Vattenfall die Stromzusammensetzung leider nicht so detailliert gliedert wie die anderen, sind in der Grafik alle fossilen Energieträger als Kohle dargestellt, alle erneuerbaren Energien als "sonstige Erneuerbare Energien". Wie man sieht, kommen alle Versorger inzwischen (also, 2010, versteht sich) auf einen Anteil von mindestens 20% am Strommix. Schön wäre natürlich, wenn dieser Anteil noch deutlich steigen und der Anteil an fossilen Energieträgern und Kernenergie gegen Null gehen würde. Dafür wäre es aber meines Erachtens nötig, das komplette Konzept der Energieversorgung von zentraler Erzeugung und Verteilung auf dezentrale Erzeugung und Einspeisung des Überschusses umzustellen.

Natürlich kann man sich auch heute schon von Ökostrom-Anbietern zu 100% aus erneuerbaren Energien versorgen lassen. Das sehe ich als sehr positiv - aber damit allein ist es noch nicht getan. Man hört in den Medien immer wieder, wie massiv die Stromnetze ausgebaut werden müssten um mit der Entwicklung der erneuerbaren Energien Schritt zu halten. Die alternative wäre vielleicht die oben erwähnte dezentrale Erzeugung. Dezentral ist aber dem Ansatz nach schon so zu verstehen, dass sich viele beteiligen und nicht nur vier. Privathaushalte betreiben Photovoltaik-Anlagen, Blockheizkraftwerke, Kleinst-Windkraftanlagen und speisen den Überschuss ins Netz ein.

Fragen an meine Leser:

  • Wie können die Energiekonzerne a) die Dezentralisierung anschieben und b) daran partizipieren und nicht daran zerbrechen?
  • Können wir den Sprung in eine regenerative Energieversorgung schaffen?
  • Sollte man zu Ökostromanbietern wechseln oder lieber Ökostrom-Angebote der Konzerne nutzen um deren Marktmacht zu unterstützen und hoffen - man weiß es ja nicht - dass sie gute Entscheidungen treffen?
29Feb/12Off

Solarförderung gekürzt

Was soll man jetzt dazu sagen? Gut, es war ja abzusehen nach den Medienberichten der letzten Tage. Heute meldete dann tagesschau.de Vollzug: Kabinett beschließt Kürzungen beim Sonnenstrom.
Was mich am Meisten dabei wundert ist, dass dieser Artikel so schnell wieder in der Versenkung verschwunden ist. Offensichtlich ist die Änderung der Nutzungsbedingungen bei google wichtiger als die Energieversorgung in Zukunft. Gut, das ist überspitzt. Aber wieso wird die Förderung gestrichen? Auf der Internetseite der Bundesregierung heißt es, zur Anpassung an die gesunkenen Marktpreise und um die EEG-Umlage stabil zu halten. Zwar stimmt es wohl, dass die Marktpreise gesunken sind, aber trotzdem wird ja nur dann eine Photovoltaikanlage gebaut, wenn davon ein wirtschaftlicher Erfolg zu erwarten ist. Ich glaube ja, dass es der Bundesregierung viel mehr um den zweiten Punkt, die EEG-Umlage, geht, und dass das schon wieder Wahlkampf und nicht Sachpolitik ist. Durch Verringerung der Einspeisevergütung bleibt zwar dann die EEG-Umlage stabil, viel wichtiger ist aber, dass dann weniger als möglich für den Umstieg in erneuerbare Energien getan wird. Vielleicht sollte man stattdessen mal außerplanmäßig die Subventionen für die Kohle-Industrie senken? Oder ist da die Lobby der großen Konzerne zu stark?

In einem älteren Blog-Beitrag habe ich den Gedanken einer dritten industriellen Revolution von Jeremy Rifkin vorgestellt. Zur Erinnerung: Es waren fünf Säulen, die laut Rifkin zeitgleich in Kraft gesetzt werden müssen. Ich weise darauf hin, da ich denke, dass das Problem mit der Solarförderung ist, dass es sich dabei nur um eine Säule handelt. Dadurch entstehen Kosten (wohlgemerkt nicht einmal für den Staat, sondern für die Konzerne und den Bürger!). Statt sich jetzt dem Lobby-Druck zu beugen und den Zubau faktisch zu begrenzen, sollte die Bundesregierung lieber daran arbeiten, die anderen Säulen auch nur annähernd so gut zu fördern, wie es im EEG bisher für den Umstieg auf erneuerbare Energien der Fall war. Damit wäre aus meiner Sicht schon viel erreicht. Mehr jedenfalls als mit dieser Kürzung. Wie seht Ihr das? Und, was seid Ihr bereit, für die Zukunft der erneurbaren Energien zu zahlen?

22Feb/12Off

Die dritte industrielle Revolution

Irgendwann zwischen September und November 2011 (die genaue Ausgabe weiß ich leider nicht mehr) wurde in einem Artikel des Handelsblatt für ein neues Buch von Jeremy Rifkin geworben: Die dritte industrielle Revolution.
Mein Interesse war sofort geweckt, aber es war Anfang 2012, bevor ich mir das Buch dann tatsächlich besorgt und gelesen habe. Es hat sich durchaus gelohnt, die Zeit zu investieren, konnte ich doch einige neue Gedanken oder zumindest Gedanken-Zusammenstellungen mitnehmen.

Rifkin beschreibt in dem Buch ein Bild der nächsten etwa 50 Jahre. Wir haben gerade die Weltwirtschaftskrise von 2008 hinter uns gelassen, schon stecken wir in der nächsten Krise: Euro-Schuldenkrise. Er stellt einen Zusammenhang her zwischen dem Ende des Ölzeitalters und eben diesen, immer häufigeren, Krisen. Die Frage, die er beantworten will, ist, was die Konsequenz aus Klimawandel und der Endlichkeit fossiler Energieträger auf unser Handeln sein sollte.
Wie der Titel des Buches schon sagt, zählt Rifkin bisher zwei industrielle Revolutionen - das Zeitalter der Kohle, Dampfmaschinen, Telegraphen und der Eisenbahn sowie das Ölzeitalter mit dem Protagonisten Automobil - und beschreibt in seinem Buch, wie die dritte industrielle Revolution aussehen könnte. Fünf Säulen sind danach nötig und müssen zeitgleich realisiert werden, damit es "funktioniert":

  1. Umstieg auf erneuerbare Energien
  2. Gebäudebestand zu Kleinkraftwerken ausbauen
  3. Speichertechnologien (z.B. Wasserstoff) in Gebäuden und Mobilität implementieren um überschüssige Energie zu speichern
  4. Nutzung von Internet-Technologie für dezentralen Energieaustausch und
  5. Umstellung der Fahrzeugflotte auf Brennstoffzellen- und Elektroantriebe, die an ein Smart-Grid angeschlossen werden können

Einen großen Schwerpunkt legt Rifkin auf Dezentralisierung, weg von den Zentralen Machtapparaten der Wirtschaft und Energieerzeugung hin zu regional verteilten Systemen.
Um das alles realisieren zu können, schlägt er auch vor, den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik (Entropie) in Wirtschaftsmodelle mit aufzunehmen. Dadurch könnten Folgen des Wirtschaftens für die Umwelt internalisiert werden.
Die Folge der Dezentralisierung ist für Rifkin generell eine viel weitere Vernetzung und eine Verschiebung oder neu-Definition des Eigentum-Begriffs. Besitz oder Eigentum werden demnach eine zunehmend untergeordnete Rolle gegenüber Zugangsrechten zu den Netzwerken spielen.
Interessant bzw. herausfordernd ist seine abschließende Zukunftsvision für die Zeit nach etwa 2050, eine Zeit, die er das kolaborative Zeitalter nennt. Dann, so Rifkin, werden dank fortgeschrittener Automatisierung keine Massen an Industriearbeitern mehr gebraucht und der dritte Sektor wird Schwerpunkt der Beschäftigung sein. Zwar hatte er das wohl nicht beabsichtigt, aber meine erste Assoziation zu diesem Thema (einer Zeit, in der alle wesentlichen Problem beseitigt wären - es handelt sich ja um eine Zukunftsvision) sind die degenerierten Zukunftsmenschen (wegen intellektueller Unterforderung) in H.G. Wells "Die Zeitmaschine".

Zusammenfassend würde ich sagen, die Lektüre lohnt sich für jeden politisch interessierten Menschen, der sich ernsthaft Gedanken über die Zukunft macht. Ob man jetzt allen Thesen des Buches zustimmt ist zweitrangig, die Gedanken, die angestoßen werden sind jedenfalls interessant. Gerade die fünf Säulen seines Modells klingen für mich allerdings sinnvoll.

Übrigens hat sich bereits 2008 Sigmar Gabriel, damals Bundesumweltminister, zu diesem Thema geäußert. So sehr viel hat sich seit dem leider wohl nicht mehr getan - zumindest habe ich nichts neueres gefunden. Aber auch Gabriel stellt in seiner Rede fest, dass Evolution, also einfach Weiterentwicklung, nicht reicht, dass vielmehr eine Revolution nötig ist. Darin stimmt er mit Rifkin überein.