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22Jun/14Off

Die Energiewende darf nicht scheitern!

Der Bundestag wird in der kommenden Woche über die Neufassung des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) beschließen. Herauszugreifen aus diesem Entwurf ist der Vorschlag, die EEG-Umlage in Zukunft für alle Anlagen und auch für den Eigenverbrauch anzusetzen. Das Ziel, mit diesen Reformen Energie bezahlbar zu machen, dürfte grandios scheitern. Vielmehr wird an einer Umverteilung von unten nach oben festgehalten. Der Bürger zahlt, Konzerne werden von der Umlage befreit. Das scheint ein allgemeines Problem unserer sogenannten Volksvertreter zu sein, dass sie sich mehr dafür interessieren, was RWE, EnBW, EON oder Vattenfall sagen als dafür, was der Wähler tatsächlich will.

Matthias Willenbacher ist Gründer und Miteigentümer der Firma juwi, die im Bereich Erneuerbare Energien ihr Geld verdient. Zwar bezieht er in seinem Buch "Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin" nicht zu den letzten Entwicklungen Stellung. Trotzdem fasst er ganz gut die Situation am Energiemarkt zusammen. Die Entwicklung der letzten 20 Jahre zeigt, dass die Konzerne vor Allem sich selbst im Blick haben und den volkswirtschaftlichen Nutzen im Wesentlichen ignorieren. "Das Stromnetz kann höchstens 5% Strom aus erneuerbaren Energien aufnehmen" hieß es vor einiger Zeit noch. Inzwischen sind 25% unseres Stromes regenerativ. Willenbacher setzt noch eins drauf:

"Ich bin überzeugt, dass wir bis 2020 vollständig auf Erneuerbare Energien umsteigen können und dies nachhaltig, dezentral und preiswert."

Grundsätzlich teile ich diese Überzeugung. Die Technologie ist vorhanden, einzig die Verteilung des Geldes und die politischen Weichenstellungen zu Gunsten der Konzerne müsste verändert werden. Leider sehe ich da zur Zeit nicht. Statt einer dezentralen Energieversorgung wird von der Bundesregierung Offshore-Windenergie favorisiert. Offshore klingt erstmal gut, ist es aber nicht. Der Kapitalbedarf schließt Bürger oder Genossenschaften, zum großen Teil sogar Stadtwerke davon aus - nur die Konzerne haben das nötige Kapital. Dadurch wird die Abhängigkeit von ihnen in Stein gemeiselt. Außerdem "liegt" Offshore im Norden der Republik. Energiebedarf besteht aber eben nicht vor Allem auf den Ostfriesischen Inseln sondern in ganz Deutschland. Das heißt, der Netzausbau ist unumgänglich. Wer profitiert vom Netzausbau? Genau: Die Netzbetreiber, die mit den vier Energiekonzernen nach wie vor unter einer Decke stecken. Das Netz muss natürlich so ausgelegt sein, dass der Bedarf im Süden zu jeder Zeit abgedeckt ist. Willenbacher bringt hier einen schönen Vergleich. Der Netzausbau sei so, als würde man Autobahnen so auslegen, dass Freitags nachmittags trotz Allem genug Platz für alle LKW, Pendler und die Porschefahrer wäre, so dass jeder sein Tempo fahren kann. 10 Spuren? Klingt sinnvoll, oder? Nein, bitte nicht! Das hätte zur Folge, dass das Netz den größten Teil der Zeit nicht ausgelastet ist. Sprich, die Porsche-Fahrer (im übertragenen Sinne die großen Kohle-Blöcke) könnten so schnell fahren, wie sie wollten. Das heißt, die Kohlekraftwerke müssen nicht heruntergefahren werden, der Vorrang für Erneuerbare Energien wird hinfällig. Und wenn ich Deutschland niemand den Kohlestrom haben will, dann wird er eben ins Ausland verkauft. Den Dreck haben wir trotzdem.

Ich rede jetzt hier nicht vom Klimawandel. Für mich persönlich ist ausgemacht, dass der Klimawandel entscheidend vom Menschen verursacht ist. Aber für unsere Energieversorgung spielt das erstmal überhaupt keine Rolle. Alle fossilen Energieträger sind begrenzt, Uran ist begrenzt. Selbst unter der Voraussetzung gleich bleibenden Verbrauches wären die Ressourcen irgendwann erschöpft. Selbst wenn man die Gesundheitsgefahren von Fracking außer Acht lässt, könnte uns diese Technik nur Vorübergehend weiter helfen. Zur Zeit gibt es Stress in der Ukraine und im Irak, wie sicher ist unsere Versorgung? Erneuerbare Energien sind im wahrsten Sinne des Wortes alternativlos. Wollen wir uns weiter von den Konzernen verarschen lassen, als Stromkunde zum Shareholder Value von EON beitragen? Ich finde, es ist lange genug falsch gelaufen. Willenbacher geht so weit, dass er seine Anteile an juwi an die deutschen Energiegenossenschaften verschenkt, wenn die Kanzlerin endlich ernst macht und eine echte Energiewende startet. Ein erster Schritt könnte es sein, dass der derzeitige Entwurf des EEG kommenden Freitag abgelehnt wird. Campact für eine Aktion zu diesem Thema durch, für die sich eine Unterschrift lohnt: https://www.campact.de/energiewende/sonnen-steuer/teilnehmen/

Wenn die Energiewende scheitert, dann scheitert nur die Energiewende in Bürgerhand. Erneuerbare Energien werden kommen, aber wir liefern uns auf Gedeih und Verderb den Stromkonzernen aus. Gebet der Campact-Aktion Eure Stimme, schreibt an Euren Bundestagsabgeordneten, an die Kanzlerin, investiert in Erneuerbare Energien, "denn die Energiewende darf nicht scheitern!" Oder wie seht Ihr das?

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